Für die Christen in aller Welt ist Ostern neben Weihnachten das bedeutendste und wichtigste Fest im Kirchenjahr. Schweres und Schönes prägen diese besonderen Tage. Am Karfreitag gedenken wir dem Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus, am Ostersonntag feiern wir voller Freude seine Auferstehung.
Auch in unserer Evangelischen Kirchengemeinde Rüdersdorf-Kraftsdorf hat dies alles seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert und wird von unserem Pfarrerehepaar und vielen Ehrenamtlichen gründlich vorbereitet und durchgeführt. Am Beginn stand auch in diesem Jahr der Kreuzweg am Karfreitag, den es in seiner jetzigen Form ohne Unterbrechung seit 2007 gibt. Somit stand 2026 ein Jubiläum an: zum 20. Mal begann der Kreuzweg mit dem Eröffnungs-Gottesdienst in der Kirche zu Mühlsdorf, den Pfarrer Kurzke und Pfarrer Hiddemann gemeinsam gestalteten. Danach begann die Kreuzwegwanderung mit Andachten in den Kirchen Pörsdorf, Rüdersdorf, Niederndorf, Harpersdorf und Kraftsdorf. An die 100 Besucher jeden Alters hatten sich in Mühlsdorf eingefunden, darunter viele Kinder, Jugendliche und Familien. Der Kreuzweg stand 2026 unter dem Motto „Dahinter – tiefer sehen, weiter gehen“. Die Andachten befassten sich mit den Stationen des Leidensweges Jesu und waren mit den Themen Verloren, Gefangen, Angenommen, Abgestempelt und Verwandelt überschrieben. Die erste Andacht in Pörsdorf gestaltete traditionell der Kinderchor mit bewegenden Liedern und Texten unter der Leitung von Pastorin Claudia Rammelt und Madleen Lang. Die weiteren Andachten übernahmen Friederike Kurzke mit Team, Nicole und Eileen Türpisch, Guido Funke und Jörg Straßburger. Alle Andachten waren sehr gut vorbereitet und von hoher Qualität. Ole Lenzen sorgte für die musikalische Begleitung des Gottesdienstes und der Andachten.
Zur Schlussandacht in Kraftsdorf waren noch ca. 50 bis 60 Besucher dabei. Besonders beeindruckend ist stets der Abschluss des Kreuzwegs in der dunklen Kirche. Alle Teilnehmer entzündeten ein Teelicht und legten daraus ein großes Kreuz in den Altarraum, begleitet von Gebeten und der damit verbundenen großen Hoffnung auf den Ostermorgen.
Am Samstag vor dem Fest leitete Pfarrer Kurzke einen bewegenden Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl zur Feier der Osternacht in der Kirche zu Frankenthal, bevor am Ostersonntag mit zwei Gottesdiensten in Harpersdorf und Rüdersdorf die Auferstehung Jesu Christi gefeiert wurde. Im Mittelpunkt aller Ostergottesdienste stand der aus dem orthodoxen Ostergottesdienst stammende Ruf: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“ In Griechenland wird dieser Ruf in der gesamten Osterzeit zur Begrüßung im Alltag verwendet.
Als Grundlage der Osterpredigt diente Pfarrer Kurzke ein Absatz aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth. Kernstück des Textes ist die Auferstehung als wichtigster Teil des Glaubens und die frohe Botschaft überhaupt. Damit verliert der Tod seine Macht über unser Leben und so entsteht österliche Hoffnung. Es ist ein Text, der Mut macht und Kraft zum Weiterleben vermittelt, auch wenn uns das oft schwerfällt im Alltag, wo nicht alles super läuft und Tag für Tag viel Negatives und schlimme Nachrichten auf uns einstürmen. Pfarrer Kurzke ging das nicht anders, es fiel ihm zunächst nicht leicht, eine gute Osterpredigt zu schreiben. Doch dann erinnerte er sich an gute und hoffnungsvolle Ostergeschichten, die er in den letzten Wochen und Monaten erlebt hatte. Er nannte zuerst die Kirche in Reichardtsdorf, der lange ein trostloses Dasein beschieden war. Doch das änderte sich wie durch ein Wunder grundlegend. Mit dem Bandkirchenprokekt und der Initiative von Uwe Kaselowsky und seinen Mitstreitern zogen wieder Schwung und Leben in die bereits abgeschriebene Kirche ein.
Die zweite Geschichte trug sich in Rüdersdorf zu. Ein Landwirt mit großem Hof und vielen Tieren, aber allein, erkrankte schwer und musste in die Klinik. Da war schnelle Hilfe mehr als nötig, die Tiere mussten gefüttert und versorgt werden. Die Pfarrerfamilie und viele Rüdersdorfer kümmerten sich nach einem festgelegten Plan um alles, halfen freiwillig und selbstlos in dieser großen Not, was für eine berührende Auferstehungsgeschichte.
Und schließlich hört und liest man, dass viele Jugendliche nicht mehr an Gott und die Auferstehung glauben. Pfarrer Kurzke erlebt gerade das Gegenteil. 2026 besteht seine Konfirmandengruppe aus 12 Jungen und Mädchen, die am Pfingstsonntag feierlich konfirmiert werden, 2027 sind es fünf Konfirmanden. Das stimmt ganz im Sinn des Apostels Paulus hoffnungsvoll.
Damit war Ostern noch nicht vorbei. Am Ostermontag wurde zum Konzert in die Kirche zu Kraftsdorf eingeladen. Die gemeinsame Aufführung der Ostergeschichte von Max Drischner (1891-1971) stand auf dem Programm und war für die Kirchenchöre Gera-Langenberg und Rüdersdorf-Kraftsdorf ein ganz besonderes Erlebnis. Mit viel Geduld, Enthusiasmus und Beharrlichkeit studierte Ole Lenzen die Stücke mit den Chören ein. Philipp Frieß, ehemaliges Mitglied des Windsbacher Knabenchores, übernahm die Tenorstimme. Die Eindringlichkeit der Musik und die Umstände, in denen Max Drischner die Choräle schrieb, hinterließen einen tiefen Eindruck auf Sänger und Zuhörer gleichermaßen. Vielen Dank allen Beteiligten für dieses besondere Konzert.
Monika Grzanna